Oblt.z.S. Wagner
Gr.Fhr. in 10.-L-Flo.


Zara, 14. Okt. 1944

Gefechtsbericht
über das Seegefecht am 11./12.10.1944 westlich der Insel Vir/Dalmatien


Am 11.10.44 um 18.00 Uhr legte das Geleit, bestehend aus MFP 973, 942, 625, MTS Habicht und I-O-1 aus der Tarnbucht auf der Insel Rab ab, um auf vorgeschriebenen Kursen nach Zara und Sibenik zu laufen.

Geleitführer: Oblt.z.S. Wagner, eingeschifft auf F 973
Führerboot: F 973, Kdt. + Bootsmann Scharnat
Formation:  Formation

Die Straße von Maun wurde zwischen 21.00 und 23.00 Uhr passiert und um 23.00 Uhr die Nordwestspitze der Insel Vir. Um 23.01 Uhr wurde Kurs rw. 155° gesteuert.


Britisches MGB 314
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Um 23.14 Uhr lag das Geleit auf Länge 14°49‘ Ost/ Breite 44°19‘ Nord, als der Ausguck Back Schatten voraus an Backbord und Steuerbord meldete. Es wurden Bb. voraus in Richtung 3 Dez fünf engl. MGB und an Stb. voraus 2 Dez vier engl. MTB einwandfrei ausgemacht. Eigene Entfernung von Land 1,5 sm, Abstand von MGB 800-900m, von den MTB 1000m. Die Entfernung verringerte sich im Laufe des Gefechts bis auf 150m.
Die Feindboote lagen genau auf Gegenkurs und waren eben dabei, in Gefechtsformation zu gehen. Um die Absicht der MGBs, die MFP von achtern anzugreifen, zu vereiteln und das Feuer der Feindboote vorerst auf F 973 zu ziehen (damit die anderen Boote des Geleits sichere Ziele hatten), befahl ich, nachdem das Geleit durch lange Blinkzeichen mit der Wendelaterne gewarnt war, um 23.15 Uhr Feuereröffnung mitten in das Evolutionieren der fdl. MGBs. Es war vorher genau festgelegt, wie die einzelnen Boote des Geleits den Gegner bekämpfen sollten, so daß das F 973 auf dem vierten und fünften MGB lag. Es wurde mit der 8,8-cm, dem Föhn-Werfer, dem Vierling 2-cm und der 3,7-cm Flak geschossen.
Der Gegner nahm nach der ersten Überraschung ebenfalls das Feuer auf und schoß mit allen Booten auf F 973. Um 23.20 Uhr ca. scherte das vierte MGB brennend aus dem der Kiellinie aus und sank. Der Brand war durch das Feuer der Vierling hervorgerufen worden, aber auch F 973 hatte durch das Feindfeuer starke Ausfälle. Die 8,8-cm war schon nach 20 Schuß durch Volltreffer ausgefallen, ebenso die 2-cm Einzellafette.
Auch die anderen Boote des Geleits hatten nach Feuereröffnung durch das Führerboot sofort die feindl. MGBs und MTBs unter Beschuß genommen. MTS HABICHT erhielt beim ersten Anlauf Volltreffer in beide Waffen, die darauf nicht mehr feuerklar waren. Auch auf I-O-1 waren durch Verwundung von 2 Mann die Waffen ausgefallen. F 625 schoß mit der 7,6-cm LAG und mit den Flakwaffen auf die MTBs. Hierbei wurde durch den Vierling das erste fdl. MTB getroffen, das explodierte und versank. F 942 beschoß mit allen Waffen das erste MGB, welches nach 2 Minuten durch genau mittschiffs liegende Treffer der 3,7-cm explodierte und sank.


Infanterietransporter I-O-95 vor Saloniki, November 1943
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Der Gegner lief nun um das Ende des Geleits herum und kam an Steuerbord wieder auf. Entfernung ca. 200-250m. Bei dem sich an Stb. Entwickelnden Gefecht wurde auf F 973 am Geschütz befindliche 3,7-cm-Munition in Brand geschossen, ebenfalls eine Kiste 8,8-cm-Munition, der Rudergast schwer verwundet. Die Brände und der helle Feuerschein wurden durch Überbordwerfen der Kisten abgestellt, der Rudergast durch den Gruppenführer abgelöst. F 625 erhielt nun Stb. Mittschiffs einen Torpedotreffer und sank sofort.
Der Gegner lief bis 1sm voraus, drehte dann bei und griff ein drittes Mal an Steuerbord an. Entfernung 200m. Hierbei wurde ein weiteres fdl. MTB von der 3,7-cm des F 942 so schwer getroffen, daß es unter Explosionen sank. F 973 hatte schwere Treffer der 7,5-cm erhalten. Sämtliche Waffen waren zerschossen, an Stb. vorn 3 Zellen durch Unterwassertreffer leckgeschossen, die Ruderanlage durch Treffer ausgefallen.
Der Gegner lief dann wieder an Steuerbord auf und ich ließ nun den Verband durch Nebeln dem Beschuß entziehen. Geschossen wurde nur noch von F 942 mit der 8,8-cm und der 3,7-cm-Flak. Die anderen Flakwaffen waren ebenfalls durch Treffer ausgefallen. Ich nahm Kurs auf Land zu, um zunächst einem Angriff von zwei Seiten auszuweichen. Wegen der Lecks wurde F 973, mit einer Maschine langsamste Fahrt laufend, leicht auf Strand gesetzt, um zu leichtern, das Lecksegel auszubringen und gleichzeitig Notruder anzubringen. F 942 stand indessen in 200m Entfernung zum Schutz auf und ab, während MTS HABICHT sich mit I-O-1 in 400-500m Entfernung in den Inselschatten gelegt hatte und so nicht mehr zu bemerken war.


Britisches MTB 755
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Um 01.00 Uhr lief der Gegner zum vierten Mal mit 2 MGBs und 1 MTB von Süden an. Das MTB schoß Torpedos auf F 942, die an Land explodierten. F 942 schoß mit der 3,7-cm und der 8,8-cm, bis die Munition ausgegangen und die 3,7-cm durch Treffer unklar war. In der Zwischenzeit wurden von F 973 die Verwundeten an Land gebracht und durch die unverletzten eingeschifften Heeressoldaten unter Führung eines Pionierfeldwebels etwa 1000m landeinwärts eine Sicherung gegen Partisanen aufgebaut.
F 942 hatte ebenfalls zwei große Lecks an Stb. achtern und mußte also ebenfalls zur Abdichtung auf Strand gesetzt werden. Ich ließ auf F 973 Munition zur Abgabe an F 942 bereitlegen, da die 8,8-cm auf F 942 noch klar war. Da der Gegner nicht ablief, sondern in etwa 1-1,5 sm Entfernung wartete, wurden vorsichtshalber die Sprengladungen angelegt, zugleich aber an der Lecksicherung und Fahrbereitschaft der beiden MFPs weitergearbeitet. Um 01.30 Uhr machte der Gegner einen nächsten Anlauf, bei dem er die 8,8-cm von F 942 als letzte noch einsatzbereite Waffe auch noch außer Gefecht setzen konnte.
Als er darauf keine Abwehr mehr erhielt, überschütteten seinen beiden MGBs die MFPs mit dem Feuer aller Waffen, und ein MGB lief nun auf F 942 zu, um diesen zu entern. Es wurden alle Mann von Bord befohlen und die Sprengladungen gezündet, doch war die Laufdauer der Zündung zu lange. Das MGB legte am Heck von F 942 an und holte noch den verwundeten Oblt.z.S. Suhr, der inzwischen von F 973 nach dort umgestiegen war, herunter. Hierbei explodierte die erste Sprengladung von F 973, so daß der Gegner augenblicklich sich davonmachte, um aus einiger Entfernung den Beschuß der an Land in Deckung gegangenen Besatzungen und eingeschifften Heeressoldaten sowie der explodierenden MFPs mit 2cm und 4cm fortzusetzen. Als einer der Letzten an Land gehend, wurde der Gruppenführer durch Splitter durch den Kehlkopf verwundet, nachdem er zuvor noch den Föhn-Werfer mit einer geballten Ladung gesprengt hatte und dieser vollkommen zerstört über Bord gefallen war.


F 624, ein MFP vom Typ C2 wie F 625, im Mittelmeer
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Leider war an der Stelle, wo F 973 und F 942 angelandet waren, ein deutsches Tretminenfeld, dessen Existenz unbekannt war und durch das nun der Abtransport der Verwundeten gehen mußte. Es wurden so drei weitere Männer durch hochgehende Minen verwundet. Nach der Verwundung von Oblt.z.S. Wagner hatte der als Badegast auf F 492 eingeschifft gewesene Oblt.(W) Thomas das Kommando an Land übernommen, doch konnte der Gruppenführer nach Versorgung seiner Halsverletzung etwa eine Stunde später selbst wieder das Kommando übernehmen. Nach Beendigung des Beschusses durch die fdl. MGBs, die um 04.30 Uhr abliefen, wurde sofort ein starker Stoßtrupp unter Führung des Lt.z.S. Albrecht (Badegast auf F 973) in das nächste Dorf entsandt, um dort Quartier zu machen. Dann wurden die Verwundeten und die Restbesatzungen, nachdem an den Wracks der MFPs, von denen F 942 im Vorschiff noch 24 Torpedoköpfe liegen hatte, die nicht explodiert waren, eine Wache aufgestellt worden war, in dem Dorf untergebracht.
MTS HABICHT blieb wegen unklarer Maschine quer zum Strand liegen, während I-O-1 sich mit dem ersten Schub Verwundeter in der Morgendämmerung nach Zara durchschlug, von wo es abends nach Brevilaqua zurücklief. Am 12.10.44 holte es den zweiten Schub Verwundeter von dem Dorf Vir nach Brevilaqua, wo sie durch Sankas und Lkws nach Zara überführt wurden. Um diese Zeit lagen bereits wieder MGBs vor Brevilaqua auf der Lauer, so daß die restlichen Verwundeten weiter in Vir verbleiben mußten, bis MTS HABICHT wieder klar sein würde.


Britisches MTB beim Feuern von Torpedos
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Am 13.10.44 wurden die Wracks der MFP vollends ausgeräumt und auch noch F 942 durch Sprengung der Torpedoköpfe vollends zerstört. Sämtliche Geheimsachen waren schon vorher durch Verbrennen an Land vernichtet worden. Es war also nichts Brauchbares mehr an Bord zurückgeblieben. Um 15.00 Uhr waren die Maschine von MTS HABICHT endlich wieder fahrbereit, während die Waffen nicht mehr hatten repartiert werden können. Es wurden noch 2 Maschinenmaate und 1 Signalgast an Bord gegeben und dann dem Kommandanten MTS HABICHT befohlen, bei Dunkelwerden nach Brevilaqua zu laufen, wo weitere Befehle abgewartet werden sollten.
Die Restbesatzungen und Badegäste der MFPs machten sich um 17.00 Uhr auf die Fahrt von Vir nach Brevilaqua. Da sich Partisanen gezeigt hatten, wurde Lt.z.S. Albrecht mit einigen Männern als Vorhut vorausgeschickt, von denen Btsm, Wieland noch im Dorfe Vir durch 5 Bauchschüsse aus der MP eines Partisanen so schwer verwundet wurde, daß er später im Lazarett Zara verstarb. Btsm. Wieland hatte sich als Kommandant von F 942 sowohl im Gefecht auf See wie nachher an Land hervorragend bewährt.

Ich selbst erreichte mit den Verwundeten und Restbesatzungen am 13.10.44 um 23.00 Uhr per Lkw Zara, wo dem Haka die weitere Sorge für MTS HABICHT übergeben wurde. Da ein weiteres Verbleiben auf Vir wegen der Partisanen für dieses Boot unmöglich war, sollte, falls HABICHT nicht bis 03.00 Uhr eingelaufen sein würde, unbedingt I-O-1 nochmals nach Vir geschickt werden, um das MTS zu sprengen und seine Besatzung abzuholen. Inzwischen ist I-O-1 am 14.10.44 in Zara eingelaufen, ohne Angaben zum Schicksal von MTS HABICHT machen zu können.


Dauer der Gefechtshandlungen:

1. Anlauf der Feindboote an Bb.  11.10.44 von 23.15 bis 23.45 Uhr,
2. Anlauf der Feindboote an Stb. 11.10.44 von 23.50 bis 00.15 Uhr,
3. Anlauf der Feindboote an Stb. 12.10.44 von 00.20 bis 00.40 Uhr,
4. Anlauf der Feindboote an Stb. 12.10.44 von 01.00 bis 01.15 Uhr,
5. Anlauf der Feindboote an Stb. 12.10.44 von 01.30 bis 04.30 Uhr.


Verluste des Gegners:

1 MGB durch Feuer des F 942, 1 MTB durch Feuer des F 942, 1 MGB durch Feuer des F 973, 1 MTB durch Feuer des F 625.


Eigene Bootsverluste:

F 625 durch Torpedotreffer eines fdl. MTB,
F 973, F 942 durch Selbstsprengung wegen Lecks und Ausfall aller Waffen,
MTS HABICHT verschollen.


Eigene Personalverluste:

F 973: 4 Tote, 3 Schwerverw., 8 Leichtverw., 11 Mann unverletzt,
F 942: 3 Tote, 2 Schwerverw., 1 Leichtverw., 1 verm., 16 unverletzt,
F 625: 4 Tote, 5 Schwerverw., 5 Leichtverw., 7 Mann unverletzt,
I-O-1: 2 Tote, 2 Schwerverw., 3 Mann unverletzt,
MTS HABICHT: Verluste unbekannt
Ohne Verluste der MTS HABICHT sind somit 13 Mann gefallen, 12 schwer und 14 leicht verwundet, 1 Mann vermißt, während 37 Mann ohne Verwundung davonkamen. Das bedeutet über 50% Verluste.


Munitionsverbrauch:

F 625: 18 Schuß 7,6cm LAG, 800 Schuß 2cm Vierling, 240 Schuß 2cm Doppellafette,
F 942: 180 Schuß 8,8cm, 650 Schuß 3,7cm Flak, 1400 Schuß 2cm Vierling, 200 Schuß 2cm Breda-Einzellafette,
F 973: 20 Schuß 8,8cm, 412 Schuß 3,7cm Flak, 1000 Schuß 2cm Vierling, 300 Schuß 2cm Einzellafette, 33 Schuß Föhn,
I-O-1: 200 Schuß 2cm Einzellafette, 6 Schuß RAG,
HABICHT: unbekannt.
Die RAG-Munition auf F 973 und F 942 ist schon beim ersten Anlauf explodiert, ohne Schaden anzurichten.


Erfahrungen beim Gegner:

Der Gegner greift nur dort an, wo er in der unbedingten Übermacht ist, wie es bei diesem Gefecht der Fall war. 3 MFPs standen gegen 5 MGBs und 4 MTBs. Dabei haben die MGBs je 1x7,5-cm, 2x4-cm und 2x2-cm je Boot an Bewaffnung. Alle Boote schießen im Dauertakt, d.h. Waffe 1 und 3 im ersten Takt, Waffe 2 und 4 bei Magazinwechsel. Die Magazine müssen größer sein als bei unserer 3,7-cm, denn die Schußfolge dürfte zwischen 12 und 20 Schuß liegen. Die fdl. 4-cm hat eine neuartige Leuchtspur, aber keine Brandwirkung, während die Leuchtwirkung auch noch nach dem Aufschlag erhalten bleibt. Die 7,5-cm hat den Betonschutz der MFPs nicht durchschlagen, auch nicht die Panzersprengmunition. Die Feindboote entwickeln eine sehr hohe Geschwindigkeit. In Lauerstellung verwenden sie scheinbar einen geräuscharmen Hilfsmotor. Der Hauptmotor springt im Gefecht schnell an.


Eigene Erfahrungen:

Die MFPs sind ohne starke Sicherung zu gefährdet. Bei steigender Anzahl der Geleitboote setzt der Gegner allerdings auch mehr MGBs an. Gegnerischer Stützpunkt ist Vali, während auf der Insel Pag eine mit einem jugoslawischen Marineoffizier besetzte Peilstation mit Funkgerät in Frutina den Einsatz unterstützt.
Die MFP-Besatzungen müssen unbedingt der Bewaffnung angepasst werden. Die Ruderanlage muß Betonschutz erhalten, der Betonschutz soweit hochgezogen werden, wie es die Waffen zulassen. Die 3,7-cm Flak am Heck muß ganz einbetoniert werden. Außerdem müssen 3,7-cm, 2-cm Vierling und 2-cm Einzel- und Doppellafette Schutzschilder erhalten. Der Föhn-Werfer kann bei solchen Gefechten höchstens 2 Halbsalven anbringen, da durch leichteste Treffer sofort die Rohre verbiegen. Die Sprengstellen zur Selbstversenkung der Fahrzeuge sind zu klein, außerdem die Zündung zu lang.
FT-Meldungen konnten nicht erfolgen, da beide FT-Anlagen durch Treffer sofort unklar wurden. Leichter Betonschutz für FT-Raum wäre also angebracht.

Die Besatzungen haben sich hervorragend bewährt. Es hat nicht einen Versager gegeben. Besonders erwähnt werden müssen folgende Männer:

1. Bootsmann Wieland: Kommandant F 942
Hat sein Boot sehr gut geführt und daneben selbst den Artillerieeinsatz geleitet, da der Artl.Ltr. im Lazarett war. Wieland ist trotz Beschuß nochmals an Bord gegangen, um die FT-Tafeln zu bergen.

2. Bootsmann Horst: Kommandant F 625
Hat durch seine gute Schiffsführung und Artillerieleitung wesentlich zur Abwehr des Gegners an Steuerbord beigetragen.


Anmerkung: Keines der Fahrzeuge auf den Bildern hat am geschilderten Gefecht teilgenommen. Es werden nur ähnliche Bilder gezeigt.


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